E-Commerce SEO: Auslaufmodelle und nicht mehr verfügbare Produkte im Online Shop richtig handhaben


 Martin Wirth|  29. Mai 2017|  Keine Kommentare|   Lesedauer: 5.54 min.

Eine Standard-Herausforderung im E-Commerce stellen nicht mehr verfügbare Produkte und Auslaufmodelle im Online-Shop dar. Die 404-Fehler die hierdurch entstehen werden viel zu häufig ignoriert. Das Resultat sind meistens Einbußen im Ranking sowie frustrierte Shop-Besucher, die auf leeren oder nicht mehr verfügbaren Seiten alleine gelassen werden. Der Super-GAU wird nur noch mit einer nicht vorhandenen 404-Seite übertroffen.

Jedes Produkt ist Teil des Gesamt-Rankings eines Online-Shops und sollte auch so betrachtet werden. Oft wurden Produktseiten durch externe Seiten verlinkt und haben so wertvolle Backlinks erhalten, wurden auf den Social Media Kanälen geteilt und verlinkt, oder generieren Traffic durch regelmäßige Besucher.

Die Lösungen für die Problematik sind in der Regel nicht aufwendig oder gar komplex. Die nachfolgenden drei Szenarien haben sich für diese Problematik als hinreichend etabliert. Es ist lediglich zu entscheiden, welche der Varianten den eigenen Anforderungen genügt.

 

 

1. Ähnliche Kategorie vorhanden: Kategorie 301-Weiterleitung

Sollte für das gelöschte oder nicht mehr verfügbare Produkt eine passende Kategorie vorhanden sein, so empfiehlt sich eine 301-Weiterleitung direkt auf die Produktkategorie einzurichten. In diesem Fall hat der Besucher die Option, direkt einen ähnlichen Artikel zu kaufen, was einen glücklichen Nutzer sowie eine geringe Absprungrate verspricht.

Beides verhindert nicht nur den Abfall der eigenen Suchmaschinen-Rankings sondern erhöht zusätzlich noch die Wahrscheinlichkeit einer Conversion im Shop.

 

 

2. Ähnliches Produkt vorhanden: Produkt 301-Weiterleitung

Bei dieser Variante ist ein ähnliches Produkt zu dem gelöschten Produkt im Online-Shop nötig. Hierbei wird ebenfalls eine 301-Weiterleitung von der gelöschten Seite erstellt. Das Ziel der Weiterleitung ist in diesem Fall das ähnliche Produkt. Der Nutzer kann in diesem Fall direkt einen Kauf tätigen, ohne erst den Shop wie in Variante 1 durchsuchen zu müssen.

Nicht nur aus diesem Grund stellt das hier beschriebene Vorgehen das empfohlene Szenario dar. Wenn der gelöschte Artikel einen Domain-Wert in der Suchmaschine vorweisen konnte, besteht nun die Möglichkeit, diesen zumindest partiell auf den neuen Artikel zu übertragen. Herbei ist erneut die Ähnlichkeit der beiden Artikel ausdrücklich zu erwähnen.

Ist es nicht sicher, ob die Artikel für den Nutzer genügend Ähnlichkeitsmerkmale aufweisen, ist Variante 1 zu wählen. Bei einer falschen 301-Weiterleitung fühlt sich nicht nur der Nutzer, sondern auch die Suchmaschine in die Irre geführt, was wiederum zu einem Ranking-Verlust führen kann.

 

3. Kein ähnliches Produkt und Kategorie vorhanden: Produkt 404-Seite oder 410-Weiterleitung

Die Bezeichnung Fehlerseite wird häufig missverstanden und klingt drastischer, wie sie in Wirklichkeit ist, wenn sie mit Bedacht eingesetzt wird. Der Statuscode 404 (Not found) teilt der Suchmaschine nichts Anderes mit als: „Diese Seite ist nicht mehr vorhanden“. Diese Mitteilung hat zur Folge, dass Google diese Seite kurzfristig aus dem Index werfen wird. Das dritte Szenario mit nicht mehr vorhandenen Produkte ohne ähnliche Kategorien oder Produkte im Online Shop macht sich genau diese Fehlerseite zu nutze.

Gibt es kein ähnliches Produkt oder Kategorie im Online Shop, so ist eine korrekte 404-Fehlerseite zurück zu geben. Wichtig ist hierbei, dass eine spezifische 404-Seite angelegt wird und diese den Nutzer abholt und weiterführt. Der Vorschlag von alternativen Produkten sowie einer Suchmaske ist nur ein Beispiel um dem Nutzer entgegen zu kommen. Die Suchmaschine weiß somit auch, dass dieser Online Shop die Kategorie des gelöschten Artikels nicht mehr führt und macht mittelfristig Platz für neue Rankings.

Ist das Produkt oder gar die Produktkategorie gar nicht mehr vorhanden und soll dauerhaft auch nicht mehr über den eigenen Online Shop gefunden werden, so bietet sich eine 410-Weiterleitung an. Der HTTP-Statuscode 410 „Gone“ verweist darauf, dass die angeforderte Seite nicht mehr bereitgestellt wird und dauerhaft entfernt wurde.

Diese Option kann relevant sein, wenn ggf. eine Aufgabe eines kompletten Produktsortimentes oder einer Produktkategorie sinnvoll erscheint. Durch die schnelle De-Indexierung wird der Online Shop nicht mehr zu diesem Produkt gefunden. Dies kann helfen Serviceanfragen zu diesen Produkten recht schnell zu vermindern. Eine 410-Weiterleitung sollte immer mit Bedacht gewählt werden und nach reiflicher Überlegung.

 

Finden von 404-Fehlern einer Seite

In größeren Online-Shops ist es nicht mehr möglich, alle Seiten und Produkte zu überwachen. In diesem Fall ist die Google Search Console eine große Hilfe. Nach dem öffnen des Projektes in der Google Search Console ist über die Navigation der Punkt Crawling -> Crawling-Fehler anzuwählen. In der Mitte der Ansicht ist der Tab „Nicht gefunden“ zu öffnen. Nun werden die eben besprochenen Fehler angezeigt.

 

Prüfen der 404-Fehler auf externe Faktoren

Bevor eine Produktseite weitergeleitet wird, sollte folgendes geprüft werden:

  • Besucherzahlen über Tracking Tools wie Google Analytics ermitteln. Dies kann bei Google Analytics über den Bereich Verhalten > Websitecontent auf URL-Ebene geprüft werden.
  • Besucher- und klickstarke Seite über die Google Search Console entdecken. Über den Reiter Suchanfragen > Suchanalyse können diese schnell gefiltert werden.
  • Ermittlung der verweisenden externen Backlinks auf die URL über die Google Search Console und ggf. weitere spezielle Backlink-Tools wie Majestic, Ahrefs, etc.
  • Prüfung der eigenen Social Media Accounts ob Posts und Werbeanzeigen die Produkt-URL enthalten.

 

301-Weiterleitung einrichten

Die Einrichtung 301-Weiterleitungen kann direkt über die .htaccess auf dem Server geschehen oder aber direkt über das eingesetzte Shop-System selbst. Ein Beispiel zur Weiterleitung in über die .htaccess Datei sieht wie folgt aus:

RewriteEngine On
# Variante 1: 
Redirect 301 /schuhe/lederschuhe-gelb /schuhe 
# Variante 2: 
Redirect 301 /schuhe/lederschuhe-gelb /schuhe/lederschuhe-braungelb

 

Einfluss von Weiterleitungen auf Google AdWords Anzeigen

Wenn Werbeanzeigen über bezahlte Online Marketing Kanäle geschalten werden, muss dies bei dem Einrichten von Weiterleitungen zwingend beachtet werden. Beispielsweise beschreibt die Google AdWords-Werberichtlinien-Hilfe dies eindeutig unter dem Punkt „Abweichendes Ziel“.

Weiterleitungen auf URL-Ebene führen grundsätzlich nicht zur Ablehnung von Anzeigen, da insbesondere bei der Nutzung von Drittanbieter-Tools dies zwingend für deren Tracking-Parameter benötigt.

Sollte eine 301 Weiterleitung von einer alten Shop-Domain auf eine neue Domain eingerichtet worden sein, müssen auch die Anzeigen-URLs abgeändert werden. Ansonsten werden die AdWords-Anzeigen vom System abgelehnt und dies kann im schlimmsten Fall zu einer Sperrung des eigenen AdWords-Kontos führen.


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